handgedanken

Masken und Lyrik – Atelierfenster sedaRt

Archetypen

rückblickend: Am Anfang steht die Skizze.

die Aussage…

TOTENTANZ

Jeder stirbt.

Unabhängig von Alter, sozialen Stand, Weisheit, Besitz… Die Essenz der Tanzmetapher sagt „Wir sind alle gleich“.  Die Gesichter der Sterbenden auf mittelalterlichen (und zeitl. späteren) Totentänzen decken ein Gefühlsspektrum ab, in dem sich Demut, Trauer, Erleichterung, Hingabe oder Angst finden. Der Sterbende hat für einen Augenblick Zeit auf sein bevorstehendes Ende zu reagieren.

Das Gesicht des Knochenmannes aber bleibt fast immer identisch. Seine Aufgabe ist reine Didaktik, der starre Schädel lässt kaum Ausdruck zu. Wir betrachten das Totentanzfragment und sortieren im Kontext unserer kulturellen und sozialen Prägungen: Den Tod des Kindes, den des Kaisers, den des Religiösen oder den des Narren. Wir sehen den Gesichtsausdruck desjenigen, der all dies in Bewegung hält: Der Tod. Und wir erkennen, dass in diesem Moment die ewig starre Knochenmaske von uns eine Wertung bekommt. Grinst sie? Lächelt sie? Spricht sie mit dem Sterbenden? Oder haucht sie leise klappernd einen Kuss?

Die emotionale Wertung des Zuschauers ermöglicht einen Bereich für Metaphern, lässt Raum für Interpretationen, ermittelt eine Rangfolge. Sie lädt ein den Tod an sich zu personifizieren – ein Commedia dell’arte der Knochenmanntypen.

Keine Spielerei, sondern eine Ansammlung bitterer und weniger bitterer Begegnungen. Wie empfinde ich den Tod anderer Menschen? Grausam? Ungerechtfertigt? Erlösend für den Sterbenden? Belehrend für mich selbst? Und welches Gesicht wird mein Tod tragen?

Und wieder: Jeder stirbt.

Heute, morgen, zu früh, rechtzeitig, zu spät, vermeintlich gerechtfertigt, vermeintlich ungerechtfertigt…

Wir fühlen etwas.
Unsere Gefühle generieren Archetypen. Und diese sehen uns an.

Einstieg…

durch das Fenster, alles noch im virtuellen Aufbau. Ein Erscheinungsbild, das sich individualisieren wird, sobald die Zeit für eine konkrete Auseinandersetzung mit der Thematik vorhanden ist.

Nun vorerst einen Blick auf den Arbeitstisch, über meine Schulter, was die Hände so tun, was der Kopf dabei denkt, willkommen, du Leser! Nichts entsteht aus nichts. Stück für Stück setze ich Fragmente aus Material und Gedanken zusammen.

Und wer von uns trägt keine Larve ÜBER dem Gesicht?

 

Ein Rückblick, eine der letzten, mittlerweile abgeschlossenen Arbeiten:

ANGST

Wenn ich mein Haupt beklommen beuge,
in mich kehre…

(wenn die Geisterfinger bohren)

sehe ich der gläsernen Membrane
schwacher Schlieren Sterben zu.

Hinter bunten Schattenschemen
eine alte,
schwere, kalte,
eine traute Existenz…
Und dies Wesen ist’s
das tief im Schlund verborgen
Regung zeigt.

Das fressen will

und Wangenknochen packt mit träger
fetter Hand.
die,
stetig weiterzerrend,
meinem Aug’ den Morgen nimmt

…spüre wie mein Mund
zum Spalt
zerrinnt.
und leise wird.
Nur Jammerkatzenstöhnen
wandert,
wider allem Schönen,
in dem klammen Tunnel fort.

Sieh,
der Sog an meiner Seele…
Hast du nicht gesehen,
(du?)
…wie bleiern
mir
der
Atem
geht…?

 

Momentan bewegt sich wieder viel. Durch das Atelier fegt ein mentaler Sturm und sehr viel Wut.

Der Totentanz wird unter meinen Händen zum achtfachen Reigen. Heute bekommen die zufriedene Bosheit und der arglose Freund ihr Gesicht:

Ich kämpfe. Ich forme. Der Zorn heult und draußen tobt Gewitter.