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Masken und Lyrik – Atelierfenster sedaRt

QS „Selbstportrait“: Ameisen

Nach etlichen Details an der Rüstung, deren Verstärkung und Schleifarbeiten hat die Maske jetzt ihre Grundierung bekommen. Reinweiß! Die Schatten und Metalleffekte kommen noch hinzu.

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Verlegung der Tätigkeit vom Pinsel zur Maus – Bildbearbeitung am Rechner. Es wimmelt im Inneren. Dieses Muster als Papierausdruck (Ausschnitt) wird die Innenseite der Maske auskleiden.

2013_6_11_innen

Querschläger „Selbstportrait“ II: Rüstung

Ich montiere das Gerüst für den Gesichtsschutz. Es wird nüchterner und weniger mystisch als bei der Skizze. Die Federn als erster Gedanke verschwinden wieder. An ihre Stelle treten einfache Platten. Sagen, Legenden haben mittlerweile wenig Platz in diesem narzistischen Gesicht. Ich weiß noch nicht was mit der Stirn geschieht – ein wichtiger Platz. Ich werde ein paar Tage brauchen um eine Entscheidung zu fällen.

2013_5_30_fixieren

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Querschläger „Selbstportrait“ I.

Arbeitsfortschritte am Selbstportrait.
Die mehrlagige Papierlarve ist der Negativform vorsichtig entnommen und endgültig getrocknet.

2013_5_28_schrei

Die Augen habe ich großflächig ausgeschnitten um später Details aufzumodellieren. Nun müssen die Spiegelgläser zugeschnitten und eingesetzt werden:

2013_5_28_Augenglaeser

Erst werden die Gläser in die Augenlöcher eingepasst und mit Klebestreifen fixiert. Dann müssen die scharfkantigen Ränder verblendet werden. Und wieder warten, bis der Leim trocknet: In das eigene Gesicht starren.

2013_5_28_Augen_montieren

Eine Sitzung vor dem Spiegel beginnt um der glatten Mimik konkretere Konturen zu geben und die Lidfalten zu formen. Hier ist Papier ein eher unspontanes Material, das nur grob vorgeformt und erst später im Detail geschliffen und graviert werden kann.

2013_5_28_Augen_modellieren

2013_5_28_fertig_gross

Für heute ist die Arbeit abgeschlossen. Das Portrait muss gründlich durchtrocknen um weiter bearbeitet werden zu können.

Leben!

Lange hat der Totentanz leer vor sich hingestarrt, jetzt kommt wieder Bewegung ins Atelier. Die Larven haben ihre Augen, nein eher ihre Nicht-Augen bekommen. Der Blick des Trägers bleibt nun verborgen und schwarz.

Als nächstes befasse ich mich mit der Befestigung. Die Larve soll eine Ganzkopflarve werden. Also benötige ich Hauben, mit denen die Larve befestigt werden kann. Am „Zögerlichen” teste ich den Prototyp und, siehe da, die Larve hält gut. Den Übergang zwischen Stoff und Papierlarve soll noch eine feinere Schicht Papier kaschieren.

Es ist immer wieder ein unglaublicher Augenblick, eine Larve zum ersten Mal an mir selber zu testen. Die Welt wird eng und intensiv vom Geruch des Materials, ich werfe einen Blick in den Spiegel. Mein Gesicht ist fort?

Schritt für Schritt

Die letzten zwei Masken haben ihre Zähne und feineren Konturen bekommen: Der „heitere Tod” und der „Überlegene”

Nun sind alle acht Larven durchgearbeitet und ich kann mit Schleifen und feiner Schnitzarbeit beginnen. Da die Augen des Trägers später nicht zu sehen sein dürfen ist ein Sichtschutz in den Augenhöhlen nötig, der trotzdem den Blick nach außen zulässt. Als Ganzkopfmasken konzipiert steht jetzt zudem der Anbau für eine dehnbare Abdeckung des Hinterkopfes an, die in das Material der Larve fließend übergehen soll.

Zeitgleich entstehen weitere Textfragmente. Hier die Zeilen für den „Grimmigen Tod“ in Anlehnung an „Tod und Kaiserin“:

Blutbleckend gefletscht, der grimmige Zahn.
Da ist er! Er rast im Wahn!
Der Leiber Fleisch zermalmt er gnadenlos,
treibt fort sie wie Vieh in der Gräber Schoß.

Namen gaben zu deiner Zier
die Wenigen, welche entflohen dir.
„Gefräßig“ heißt du, Herr Leichenberg.
Grausen und Pein schmückt dein Tagewerk.

Da stehen sie nun alle in meinem Atelier und in einer Reihe…

Zähne V

Der bösartige Tod

Denkarbeit

Die letzten Tage haben Gedankenfäden um das Stück gesponnen, welches zum Maskenreigen entstehen soll. Ich orientiere mich mit meinen Texten an dem alten oberdeutschen Totentanz aus dem Heidelberger Blockbuch (15. Jh), ein Ausdruck meiner gedanklichen Verbeugung vor dem vermutlich ältesten deutschen Totentanz.

Die grundlegende Struktur des Stückes sieht einen schweigenden Tod vor. Für ihn, sowie für den Trauernden und auch den Sterbenden wird ein Sprecher das Wort führen. Der obere Versblock, im Original darf hier der Tod selber das Wort führen, ist der Beschreibung der auftretenden Maske gewidmet. Im nachfolgenden Versblock richtet der Sprecher sein Wort direkt an den Tod. Diese vier Zeilen sollen eine Beziehung zwischen beiden Darstellern herstellen, jedoch ohne sich inhaltlich auf den eigenen Tod des Sprechers, noch auf den Tod einer anderen Person festzulegen.

Einen Anfang machen die Verse zum „Zögerlichen Tod”. Sie richten sich im Versbau an „Tod und Papst”. Durch das historische Korsett wirken die Zeilen sperrig und naiv.
Ein Resultat, das sich gut ins Konzept einfügt:

Der „Zögerliche”

Im engen Kreis schleicht lange zaudernd er.
Der schwarze immer-Blick lungert leer.
Lahm tastet sein Fingerknochen.
Er kommt stets von hinten gekrochen.

Du, Tod, wirst „Zwiespalt im Gehen” genannt.
Du näherst dich unschlüssig nur, mit zitternder Hand.
Ich heiße dich „Meister Flügellahm”.
Zum Sterben lässt tanzen du qualvoll lang.