Denkarbeit

von sedaRt

Die letzten Tage haben Gedankenfäden um das Stück gesponnen, welches zum Maskenreigen entstehen soll. Ich orientiere mich mit meinen Texten an dem alten oberdeutschen Totentanz aus dem Heidelberger Blockbuch (15. Jh), ein Ausdruck meiner gedanklichen Verbeugung vor dem vermutlich ältesten deutschen Totentanz.

Die grundlegende Struktur des Stückes sieht einen schweigenden Tod vor. Für ihn, sowie für den Trauernden und auch den Sterbenden wird ein Sprecher das Wort führen. Der obere Versblock, im Original darf hier der Tod selber das Wort führen, ist der Beschreibung der auftretenden Maske gewidmet. Im nachfolgenden Versblock richtet der Sprecher sein Wort direkt an den Tod. Diese vier Zeilen sollen eine Beziehung zwischen beiden Darstellern herstellen, jedoch ohne sich inhaltlich auf den eigenen Tod des Sprechers, noch auf den Tod einer anderen Person festzulegen.

Einen Anfang machen die Verse zum „Zögerlichen Tod”. Sie richten sich im Versbau an „Tod und Papst”. Durch das historische Korsett wirken die Zeilen sperrig und naiv.
Ein Resultat, das sich gut ins Konzept einfügt:

Der „Zögerliche”

Im engen Kreis schleicht lange zaudernd er.
Der schwarze immer-Blick lungert leer.
Lahm tastet sein Fingerknochen.
Er kommt stets von hinten gekrochen.

Du, Tod, wirst „Zwiespalt im Gehen” genannt.
Du näherst dich unschlüssig nur, mit zitternder Hand.
Ich heiße dich „Meister Flügellahm”.
Zum Sterben lässt tanzen du qualvoll lang.

Werbeanzeigen