handgedanken

Masken und Lyrik – Atelierfenster sedaRt

Konstruktion

Stabiles und tragendes Element der Maske ist die Haube, die eng am Kopf der Tänzerin anliegen wird. An diesem Element werden Schnabel, Klappmechanik, Fixierung und sämtliche Materialien befestigt.

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Vorarbeiten

Projekt Vílamar: Andere skizzieren mit dem Stift – ich taste mich mit den Fingern wortwörtlich an das Thema heran. Wie sieht ein Rabe aus, wo liegen die Augen, wie verläuft das Profil. Dann technische Fragen: Wo ist das Sichtfeld der Tänzerin, wie sorge ich dafür dass sie genug sieht? Wie bleibt die Maske leicht und tanzbar und wird nicht „schnabel“-lastig. Und als Tüpfelchen auf dem i soll der Schnabel aufklappen können… Ich musste und muss viel grübeln – der Bau beginnt im Kopf.

Für die Mechanik der Maske und für die Tänzerin, die den langen Rabenschnabel mit der Choreografie unter einen Hut bekommen muss, ist ein Dummie entstanden. Wir haben ihn bei einer Probe getestet und auf beiden Seiten gab es die eine oder andere kleine Überraschung. Ich begreife nun mehr über das benötigte Sichtfeld beim Tanz und S. musste feststellen dass sie nicht mit dem Gesicht auf dem Boden liegen kann ^^
Immerhin – der Rabenschrei funktioniert hervorragend.

ein Rabe

Foto: Jennifer Ressel

Als ich mich vor wenigen Monaten mit den beiden Künstlerinnen des Tanzprojekts „Vilamar“ (vilamar-tanz.de, facebook.com/vilamar.tanz) traf um bei Kaffee und Wein den verschlungenen Gedanken und Ideen zweier Tänzerinnen zu folgen, da dachte ich mir noch die Freiheiten einer Tanzmaske lägen im Unendlichen. Wie schnell ein Geisterreich auf ein winziges Sichtfeld komprimiert werden kann wurde jedoch klar, als ich nachfolgend bei einer der Proben zum Stück „Geister“ anwesend war.

Es ist, neben dem reizvollen Thema, die schmale Gradwanderung zwischen Naturalismus, künstlerischer Verfremdung und Funktionalität im Tanz, die mich in meinem derzeitigen Projekt beschäftigt, was nicht unkompliziert ist. Und so entsteht im Atelier ein Rabe – gleichzeitig ein Geisterwesen. Ein Ding dem wir viele Gesichter verleihen, dass wir aber selten im Ganzen verstehe

Folgt dem Schaffensprozess der Maske hier oder auf facebook.com/sedartmaskenkunst. Premiere von „Geister“ wird am 10. Juni 2017 im UT Connewitz, Leipzig sein – Vilamar und sedaRt freuen sich über ein großes Publikum! Hier erfahrt ihr mehr zum Stück und den Tänzerinnen.

Wer außerhalb von Leipzig Verbindungen zu einer Bühne hat, zu der „Geister“ passen könnte, der darf gerne Fäden knüpfen und den Kontakt zu den beiden Künstlerinnen herstellen.

Gesichter…

Wer meiner Künstlerseite auf Facebook unter http://www.facebook.com/sedartmaskenkunst folgt, wird schon seit einger Zeit in den Genuss der (nicht immer täglichen, aber doch recht häufigen) Knetgesichter gekommen sein. Ich möchte an dieser Stelle meine Motivation zu dieser Idee erläutern.

Ein nur faustgroßes Gesicht jeden Tag aus dem selben Stück Plastilin neu zu formen und dies mit möglichst wenig Zeitaufwand (mehr als eine halbe Stunde möchte ich nicht investieren) ermöglicht mir ungefiltert Dinge und Emotionen, die mich grade umtreiben eine Form zu geben. Eine Art Gesichtstagebuch sozusagen. Das Zerstören des gestrigen Gesichts für ein weiteres neues macht die Kunst besonders flüchtig und nimmt den Zwang etwas besonders Einzigartiges und Gutes herzustellen. Und so ganz nebenbei setze ich mich handwerklich mit Proportionen und Mimiken auseinander. :)

Wer wissen möchte, wie sich diese Idee weiter entwickelt sollte der Facebook-Seite folgen – für diesen Blog dürfte das Bildmaterial auf längere Hinsicht zu umfangreich sein. Zudem möchte ich hier den Raum für die echten Maskenprojekte frei halten.

Viel Spaß bei den zukünftigen Tagesgesichtern :)

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Glaube I

Von allen neuen Todsünden stand mir der Glaube sofort und sehr deutlich vor Augen. Darum gewinnt auch diese Maske als erstes im Atelier an Form.

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Todsünden!

Wenn Künstler ihre verqueren Gedanken fusionieren, kommt Spannendes bei heraus. So hat mich die Idee des Komponisten, der hinter der Musik von Adversus steht, zehn neue Todsünden zu finden, die das alte christlich motivierte Konzept ablösen sollen, nicht mehr losgelassen.
An Stelle eines Vergehens an dem Bund zwischen Gott und mir (lt. Katechismus der kath. Kirche) tritt das Vergehen an mir selber und dem anderen. An Stelle vom reinen „Bösen” und einer auferlegten bußpflichtigen Schuld gegenüber „Gott” tritt das Leid, das „Wehe“, die Abkehr von mir selbst, aber auch die Hoffnung auf Heilung und „Wohl“.
Und ich frage mich, welche Gesichter tragen diese Vergehen, wie verkaufen sie sich in der Masse, wie tarnen sie sich?
Und wie fühlen sie sich an für den Träger, für den Akteur und für den Dulder?

Um folgende Tod„sünden“ soll es gehen:
Selbstgerechtigkeit
Unästhetik
Glaube
Engherzigkeit
Stagnation
Beliebigkeit
Feigheit
Missachtung
Ignoranz
Dummheit

Zehn Todsünden, acht Musiker, acht Gesichter, von denen jedes eine Todsünde verkörpern wird.

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QS: Abschluss

Die Arbeiten am Selbstportrait sind beendet – ein Projekt wandert vom Arbeitstisch unter meine unprofessionelle Skizzenknipse, dann an die Wand, sowie in der nächsten Zeit zum Fotografen und somit auch in den Ausstellungskatalog. Die letzten Abende galten der Farbfassung und der Innenseite. Um es mit Erich Fromm zu umschreiben: „Der Narzissmus trägt viele Masken.“

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Ameisen1

Ein neues Projekt liegt schon auf dem Tisch und ist in Arbeit.
Mehr dazu in den nächsten Tagen.